85-Jähriger aus Mitterteich hat 165 Mal mit Lkw die Erde umrundet

  • von Alicia Fuchs
  • 23 Aug., 2019
Eigentlich wollte der Seniorchef schon mit 65 Jahren in Rente gehen, aber das LKW-Fahren ließ ihn nicht los – noch heute ist er jeden Tag rund 200 Kilometer mit seinem Schwertransporter unterwegs.
Bild: fua
Rupert Leiß, Seniorchef der Firma Leiß Transporte, denkt auch mit fast 85 Jahren nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Seine Begeisterung für das Lkw-Fahren ist so groß wie eh und je. Aufgewachsen ist er in Poppenreuth bei Mähring. Von dort ging er mit den anderen Kindern täglich gut drei Kilometer zu Fuß bis nach Großkonreuth: erst in die Kirche zur Messe, dann in die Schule. Seine Eltern hatten eine Landwirtschaft, zu der auch ein Fuhrbetrieb gehörte - zuerst mit Pferden, später mit Lastkraftwagen. Bei den anstehenden Arbeiten packten Rupert Leiß und seine elf Geschwister, von denen vier bereits sehr früh verstarben, auf dem Hof mit an.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte er als zehnjähriger Junge mit. "Die letzte Granate aus Richtung Tirschenreuth traf unser Anwesen in Poppenreuth, aber Gott sei Dank handelte es sich dabei nicht um eine Brand-Granate." Gerade in dieser harten Zeit hielt die Familie zusammen. Dieser Zusammenhalt spielt auch heute noch eine wichtige Rolle im Familienunternehmen.

Geerbte Leidenschaft

Auch sein Interesse an den Lastkraftwagen hat die Familie in ihm geweckt. Seine älteren Brüder begleitete er häufig als Beifahrer in den Lkw. Bereits früh half er ihnen dabei, ihre Transportgüter mit Schaufeln auf- und abzuladen, als es noch keine Kipper gab. 1953 war es dann auch für Rupert Leiß endlich so weit: Im Alter von 19 Jahren durfte er seinen eigenen Lkw-Führerschein machen. "Mein erster Lkw war ein Krupp-Mustang mit Anhänger", denkt Leiß zurück. Mit diesem Fahrzeug, das ein Gesamtgewicht von 20 Tonnen auf die Waage brachte, transportierte er zum Beispiel Holzstämme aus dem Wald zum Bahnhof in Tirschenreuth oder holte auf Nachttouren Zement aus Burglengenfeld. Zu den Aufgaben der Fahrer gehörte jedoch nicht nur das Steuern der Schwertransporter, sondern auch körperliche Arbeit. So musste Leiß zum Beispiel alle Fahrzeuge per Hand mit Zementsäcken beladen. Viel hat sich in all den Jahren verändert: "Mautsysteme, digitaler Tachograph, Fahrerkarte," zählt Leiß auf. Und dann war da natürlich auch noch die Einführung der Lenkzeitbegrenzung.

1961 heiratete er seine Frau Magdalena, mit der er nach Pleußen zog. Den Schritt in die Selbständigkeit wagte der Kraftfahrer erst im Alter von 48 Jahren. Der Anfang sei schwer gewesen, jedoch habe ihm die Unterstützung seiner Familie vieles erleichtert. Nur ein Jahr nach Beginn stieg Sohn Alfred in das Unternehmen mit ein und ist heute Juniorchef der Firma. Ruperts Ehefrau und die beiden gemeinsamen Töchter Martina und Michaela kümmerten sich um Telefon und Funk sowie um den kaufmännischen Bereich. Mit den Jahren stieg die Nachfrage an den Leistungen der Leiß Transporte und somit auch die Zahl der bei Rupert Leiß beschäftigten Fahrer. Aus anfänglich einem Lastzug der Marke MAN sind inzwischen zehn Fahrzeuge mit zugehörigen Anhängern geworden. Als der Lagerplatz in Pleußen, wo die Familie noch heute lebt, schließlich zu klein wurde, zog das Unternehmen ins Industriegebiet Birkigt in Mitterteich. Zu dieser Zeit war Rupert Leiß 65 Jahre alt. "Eigentlich wollte ich in Rente gehen, aber diese neue Aufgabe spornte mich an", erzählt der Seniorchef.

66 Jahre am Steuer

Und auch heute, mit 85 Jahren, macht ihm das Fahren noch so viel Freude wie zu Beginn seiner Tätigkeit. Täglich steht er um 5 Uhr auf, um 7 Uhr ist er bereits auf der ersten Baustelle. Das Unternehmen liefert etwa 1500 Tonnen Schüttgut am Tag aus, darunter auch Rindenmulch, Marmor und Granitsplitte. Der Seniorchef selbst legt am Tag noch gut 200 Kilometer mit seinem 40-Tonner zurück. Aus Neugier hat die Familie einmal ausgerechnet, wie viele Male Rupert Leiß mit den in seinem Leben zurückgelegten Kilometern die Welt umrundet haben könnte. Das Ergebnis: stolze 165 Mal. Seit 66 Jahren sitzt er mittlerweile am Lkw-Steuer. "Trotzdem hatte ich noch nie Rückenprobleme, die körperliche Arbeit, wie die schweren Bordwände zu öffnen und zu schließen, halten mich fit", sagt Leiß. Gut in Schuss ist auch sein Lastkraftwagen, den er seit nunmehr 32 Jahren fährt - mit einem Kilometerstand von 1,8 Millionen Kilometern. "Über die gute Qualität meines Fahrzeuges staunt der TÜV immer wieder", erzählt der Familienvater lachend. Und auch er als Fahrer geht regelmäßig zur Kontrolle, alle fünf Jahre muss er seinen Führerschein verlängern.

"Wenn ich dann nach einem arbeitsreichen Tag nach Hause komme, räume ich mit dem Radlader den Lagerplatz auf, bis alles an Ort und Stelle ist - das ist für mich Erholung", berichtet der rüstige Fahrer. "Ich habe Glück, dass ich eine Frau habe, die sich um mein Wohl sorgt und dass ich gesund bin", sagt Leiß. "Und solange es der Herrgott noch will, fahre ich mit Freude weiter mit meinem Lkw durch den Landkreis." Seinen Ehrentag an diesem Sonntag feiert er, musikalisch unterstützt von der Münchenreuther Bauernkapelle, mit der ganzen Familie im Gasthaus Rosner bei der Großen Kapplkirche.

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Mit seinem Lastwagen inklusive Anhänger auf eine Baustelle zu fahren, wo er das Fahrzeug zentimetergenau platzieren muss, ist für Rupert Leiß noch immer eine Herausforderung, die er mit Freude annimmt.
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